Buch: Stefan Zimmermann
Gesangstexte: Carsten Golbeck
Musik: Wolfgang Böhmer
Produziert und aufgeführt vom AGON-Tourneetheater München
So ein wenig Siddhartha steckt in jedem von uns. Die ewige Suche
nach Sinn, Erkenntnis und Vollkommenheit lässt uns verzweifeln und hoffen zugleich. Mit den Jahren kommt zwar lindernde Erfahrung, den Grenzen rationaler Fremdbestimmung zu entkommen, erscheint
jedoch nahezu unmöglich. Am Ende wartet der Tod, vielleicht auch die Auflösung des Ichs in grenzenlose Energie und Freiheit von Zwängen. … Siddhartha ist der personifizierte flüchtige Gedanke. Er
klopft ständig an die geheimnisvolle Tür des Lebens, hinter der vielleicht die finale Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens wartet. Doch bevor jemand öffnet, wird er hinfort gerissen vom
Strudel des Seins, sieht sich mit einem Berg neuer Fragen konfrontiert und muss seinen steinigen Weg zur Erleuchtung fortsetzen.
Das Münchner a.gon Theater hat sich der Geschichte Hesses
angenommen und die Handlung als Musical adaptiert. Eine großartige Idee und die Weiterentwicklung des Gedankens, dass es verschiedenste Wege gibt, um die Augen und Ohren für die Schönheiten
dieser Welt zu öffnen. Die Sprache der Musik ist grenzüberwindend und mitreißend. Sie folgt der Siddhartha-Logik und ist eine leicht verträgliche Mischung aus Askese und Ekstase, der Rausch der
dadurch entfachten Emotionen führt das Publikum ganz nah an den Kerngedanken des natürlichen Ursprungs zurück. … Am Ende dann, Standing Ovation, alles andere wäre auch nicht angebracht gewesen.
Siddhartha ist zeitlos schön und tiefgründig, die a.gon-Mannschaft hat eindrucksvoll gezeigt, dass ein eher schwer zugänglicher Stoff niveauvoll und mit Liebe zum Detail für ein Massenpublikum
aufgearbeitet werden kann. Chapeau und danke für diesen herrlichen Abend.
Manuel Grosser, Februar 2024
Aus dem Archiv des a.gon-theaters münchen:
